Drohnenbilder aufnehmen

Die Qualität Ihrer Vermessung steht und fällt mit Ihren Drohnenbildern. Mit der richtigen Flug-Methodik und Vorbereitung erreichen Sie in unseren Test-Beispielen Genauigkeiten unter 1 % Abweichung.

Cheat-Sheet drucken1 Seite A4. Alle Flug-Parameter im Überblick.

Welche Drohne

Roofy braucht keine teure Profi-Drohne. Entscheidend sind nicht das Modell oder der Preis, sondern drei Funktionen und korrekte GPS-Koordinaten in jedem Foto. Wir haben unsere Anleitung mit der DJI Mini 4 Pro entwickelt und mit anderen DJI-Modellen kompatibilitätsgetestet.

Diese drei Punkte muss Ihre Drohne erfüllen

  • POI (Point of Interest)

    Automatischer Kreisflug um ein markiertes Objekt. Die Standard-Methode für saubere Aufnahmen aus allen Richtungen.

  • Tempomat (Cruise Control)

    Hält Geschwindigkeit und Richtung automatisch konstant. Wichtig für lange Gebäude wie Lagerhallen, wo POI nicht funktioniert.

  • GPS in den Foto-Daten

    Jedes Foto bekommt die genaue Position als unsichtbare Information mitgegeben. Ohne diese Koordinaten kann Roofy das Dach nicht berechnen.

Wir haben Roofy mit der DJI Mini 4 Pro kalibriert. Alle Höhen-, Distanz- und Winkel-Werte in dieser Anleitung beziehen sich auf dieses Modell. Bei anderen DJI-Drohnen können die Werte leicht abweichen, das Resultat bleibt aber vergleichbar.

Kompatible DJI-Modelle (Auswahl)

  • DJI Mini 4 Pro

    249 g, unter der Schweizer 250 g-Grenze. Keine BAZL-Registrierung nötig. Unser Referenzmodell. Reicht für Einfamilienhäuser und mittlere Mehrfamilienhäuser problemlos.

  • DJI Mini 3 Pro

    249 g, ebenfalls unter 250 g. Ähnliche Sensorqualität wie die Mini 4 Pro. Kein Hindernis-Sensor an der Seite, also etwas vorsichtiger fliegen.

  • DJI Mavic 3

    895 g, BAZL-registrierungspflichtig. Grösserer Sensor und höhere Bildqualität. Lohnt sich, wenn Sie regelmässig grössere Objekte aufnehmen.

  • DJI Air 3

    720 g, ebenfalls BAZL-registrierungspflichtig. Hat zwei Linsen, darunter eine mittlere Tele-Linse. Damit halten Sie mehr Abstand zum Gebäude und sehen trotzdem Details. Praktisch für grosse Mehrfamilienhäuser oder dichte Bebauung, wo Sie nicht nah heranfliegen können.

Andere Hersteller

Roofy ist auf DJI-Drohnen getestet. Drohnen anderer Hersteller (zum Beispiel Autel, Parrot, Skydio) können grundsätzlich funktionieren, sofern sie die drei Punkte oben erfüllen. Wir haben sie aber nicht systematisch getestet und können keine Garantie für die Bildqualität oder die Mess-Genauigkeit geben.

Wenn Sie eine Nicht-DJI-Drohne nutzen möchten, prüfen Sie vor dem Kauf:

  • Schreibt die Drohne GPS-Koordinaten in die EXIF-Daten jedes Fotos? Das ist die wichtigste Anforderung.
  • Gibt es eine Funktion vergleichbar mit POI: automatischer Kreisflug um ein markiertes Objekt?
  • Gibt es eine Funktion vergleichbar mit Tempomat: konstante Geschwindigkeit auf geraden Strecken?
  • Können Sie während des POI-Flugs flüssig manuell den Auslöser drücken (rund alle 2 Sekunden)?
  • Macht die Drohne JPEG-Fotos in mindestens 12 Megapixel Auflösung?

Falls Sie eine Drohne anderer Hersteller erfolgreich mit Roofy einsetzen, freuen wir uns über Ihr Feedback. Schreiben Sie uns über den Feedback-Knopf, damit wir andere Modelle in diese Liste aufnehmen können.

Pre-Flight-Checkliste

Diese vier Punkte vor jedem Start prüfen.

Pre-Flight-Checkliste

  1. Drohnen-Akku 100% + Reserve-Akku dabei

    Mindestens ein voller Reserve-Akku reicht für die meisten EFH-Aufnahmen.

  2. GPS-Lock vor Start abwarten

    Warten bis DJI-App GPS-Lock anzeigt (grüner Status). Ohne GPS-Lock keine korrekten EXIF-Daten. Bilder werden vom Upload abgelehnt.

  3. SD-Karte: genug Speicher

    Nicht zwingend leer, aber Platz für 30-100 JPEGs (~5-10 GB).

  4. Wetter passt zum Flug

    Bewölkter Tag oder Vormittag/Spätnachmittag bei Sonne. Kein Regen, kein Nebel, Wind unter 8 m/s. Details siehe Wetter-Section weiter unten.

Drohnenflug-Methodik

Zwei Flug-Methoden decken praktisch alle Gebäudetypen ab. POI ist der Standard für Einfamilienhäuser, Tempomat ist für lange Gebäude wie Lagerhallen.

Methode 1. POI (Point of Interest)

Standard für Orbit-Flug um das Gebäude. Funktioniert für die meisten Einfamilienhäuser und kompakten Mehrfamilienhäuser.

Was POI macht

POI ist eine automatische Funktion der DJI-Drohne. Sie markieren ein Objekt auf dem Bildschirm und die Drohne fliegt selbstständig einen Kreis darum, immer mit der Kamera auf das markierte Objekt gerichtet. Sie selbst halten Distanz und Höhe konstant und müssen während des Flugs nur den Foto-Auslöser drücken.

Höhe
20-30 m über dem Dach (Referenz aus dem ersten Nadir, ±5 m halten)
Horizontaler Abstand
20-30 m zur Fassade
Gimbal (Kamera-Winkel)
−45° nach unten geneigt
Drehgeschwindigkeit
Langsam bis mittel. Eine volle Runde sollte etwa 60-90 Sekunden dauern

Die Höhe ist eine Referenz, kein fester Wert. Das erste Nadir-Bild gibt Ihre Flughöhe vor — danach halten Sie diese Höhe ±5 m für den gesamten Orbit. Wichtig: Höhe immer über dem Dach gemessen, nicht über dem Boden. Bei einem 8 m hohen Haus fliegen Sie also auf etwa 28-38 m gemessen vom Boden.

Schritt-für-Schritt

  1. Drohne starten und in der Mitte über dem Dach steigen, bis das ganze Haus mit Reserve am Rand auf einem Nadir-Bild (Gimbal -90°) sichtbar ist. 2-3 Fotos machen. Diese Höhe ist Ihre Referenz für den Rest des Flugs.
  2. Drohne zur Seite fliegen auf 20-30 m horizontalen Abstand zur Fassade. Höhe gleich lassen (Referenz aus dem ersten Nadir). Gimbal von -90° auf -45° kippen.
  3. Im Live-Bild auf dem Display ein Quadrat um die Dachfläche zeichnen (mit dem Finger einen Rahmen ziehen). So weiss die Drohne, was das Zielobjekt ist.
  4. Verfolgung aktivieren, dann im unteren Menü auf POI tippen. Die Drohne bestätigt die Aufschaltung und positioniert sich automatisch.
  5. Drehrichtung wählen (im oder gegen den Uhrzeigersinn, egal welche) und Geschwindigkeit niedrig bis mittel einstellen. Auf Start tippen. Die Drohne beginnt den Orbit.
  6. Während des Flugs alle 2 Sekunden manuell den Foto-Auslöser drücken. Bei normaler Geschwindigkeit ergibt das 30-50 Fotos pro Runde und 70-80 % Überlappung.
  7. Nach einer vollen Runde die Drohne auf der Stelle stoppen und kurz die Aufnahmen prüfen. Bei Bedarf eine zweite Runde drehen.

Auch ein Winkel unter 45° funktioniert, solange die Dachecke bei jeder Seite im Bild sichtbar bleibt. Aber zu flach darf der Winkel auch nicht werden. Sonst sieht die Drohne mehr Fassade als Dach. Das Dach muss klar im Bild sein.

Wenn die Dachecke nicht ins Bild passt: nicht den Gimbal nachjustieren, sondern stattdessen die Drohne neu positionieren. Entweder weiter weg fliegen, damit das ganze Dach in den Bildausschnitt passt, oder höher steigen mit einem steileren Winkel. Dann noch einmal eine Runde drehen. So muss POI den Winkel während des Flugs nicht ständig korrigieren und die Aufnahmen werden gleichmässiger.

Methode 2. Tempomat (Cruise Control)

Für lange Gebäude wie Lagerhallen, Schulhäuser oder Reihenhäuser, wo POI nicht funktioniert.

Warum POI hier nicht reicht

POI fliegt einen Kreis. Bei einem 60 m langen Gebäude müsste der Kreis-Radius rund 40 m sein und die Drohne wäre weit weg vom Dach. Die Auflösung pro Bild wäre zu schlecht für eine gute Vermessung. Mit Tempomat fliegen Sie stattdessen parallel zum Gebäude in kurzem Abstand und der gleiche Detailgrad bleibt erhalten.

Tasten-Belegung
C1 oder C2 mit Tempomat belegen (DJI Fly App → Einstellungen → Steuerung)
Höhe
20-30 m über dem Dach (Referenz aus dem ersten Nadir, ±5 m halten)
Horizontaler Abstand
20-30 m zur näheren Fassade
Gimbal
−45° nach unten geneigt
Geschwindigkeit
Langsam, etwa 2-3 m/s. So bleibt Zeit für genug Fotos pro Strecke

Schritt-für-Schritt

  1. Vor dem Flug in der DJI Fly App eine Custom-Taste (C1 oder C2 am Controller) mit der Funktion Tempomat belegen.
  2. Drohne starten und über die Mitte des Gebäudes steigen. Auf einer Höhe, die ein gutes Detail-Verhältnis zum Dach gibt (Faustregel: 20-30 m über dem Dach). Gimbal auf -90° kippen und entlang der Längsachse mehrere überlappende Nadir-Aufnahmen machen. Bei sehr grossen oder langen Gebäuden lieber mehr überlappende Nadirs aus 20-30 m als höher fliegen. Diese Höhe ist Ihre Referenz für den Rest.
  3. Drohne zur Seite fliegen an ein Ende des Gebäudes: 20-30 m horizontaler Abstand zur näheren Fassade. Höhe gleich lassen. Gimbal von -90° auf -45° kippen.
  4. Parallel zur Fassade losfliegen mit konstanter Geschwindigkeit von etwa 2-3 m/s. Höhe und Abstand visuell konstant halten.
  5. Sobald die Flugbahn stabil ist, die belegte C1- oder C2-Taste drücken. Die Drohne hält Geschwindigkeit und Richtung automatisch konstant. Sie haben jetzt die Hände frei für den Auslöser.
  6. Alle 2 Sekunden den Foto-Auslöser drücken, bis das Ende des Gebäudes erreicht ist. Bei einer 50 m langen Halle ergibt das etwa 20-30 Fotos pro Strecke.
  7. Tempomat aus, Drohne wenden und für die nächste Strecke neu positionieren. Bei langen Gebäuden zweimal hin und her fliegen für vollständige Abdeckung.

Bei langen Gebäuden müssen die Mitte des Dachs, die nähere Dachkante mit Fassade und die Ecken sichtbar bleiben. Der weiter entfernte Teil des Dachs darf abgeschnitten sein. Wichtig ist, dass die nahe Seite vollständig im Bild ist.

Bester Workflow für gleich gross-seitige Häuser

Dieser Ablauf hat sich für Einfamilienhäuser und kompakte Mehrfamilienhäuser bewährt. Er liefert gleichmässige Aufnahmen und vermeidet die häufigsten Fehler. Folgen Sie den Schritten der Reihe nach.

  1. Drohne starten und in der Mitte über dem Dach positionieren. Steigen Sie senkrecht so weit nach oben, bis das ganze Haus mit Reserve am Rand auf einem Nadir-Bild (Kamera 90° gerade nach unten) sichtbar ist. Diese Höhe ist Ihr Referenzwert für den ganzen Flug. Faustregel: dieselbe Höhe (±5 m) auch für den späteren Orbit verwenden.
  2. Höhe ab jetzt beibehalten. Das ist kritisch. Wenn Sie zwischendurch tiefer oder höher fliegen und weitere Nadir-Bilder machen, entstehen beim Zusammensetzen der Bilder Doppelbilder im Luftbild. Roofy kann das Dach dann nicht sauber berechnen.
  3. Gimbal auf −45° kippen und POI starten. Markieren Sie auf dem Bildschirm die Mitte des Daches und aktivieren Sie POI. Die Drohne hält automatisch den Abstand zum Objekt. Behalten Sie den Winkel im Auge. Wenn POI zu stark nachjustieren will und der Winkel dabei zu flach wird, lieber abbrechen, einen besseren Startpunkt wählen (siehe Methode 1 oben) und neu beginnen.
  4. Einmal komplett ums Haus fliegen. Während des POI-Flugs alle paar Sekunden manuell den Auslöser drücken. Faustregel: rund alle 2 Sekunden bei normaler POI-Geschwindigkeit ergibt 70-80 % Überlappung. Bei einem typischen Einfamilienhaus reichen 30 bis 50 Fotos für eine volle Runde.
  5. Kontrolle vor dem Landen. Schauen Sie sich die Fotos auf dem Bildschirm kurz an. Sind alle Dachecken sichtbar? Ist die Belichtung gleichmässig? Bei Zweifel lieber gleich eine zweite Runde drehen, statt später noch einmal anreisen zu müssen.

Nadir-Aufnahmen: das Wichtigste in Kürze

  • Erstes Nadir definiert die Flughöhe für den ganzen Flug. Steigen Sie so weit nach oben, bis das Haus auf einem Bild komplett sichtbar ist.
  • Gleiche Höhe ab jetzt halten (±5 m) für die Orbit-Bilder.
  • Keine Nadir-Bilder aus verschiedenen Höhen machen bzw. hochladen. Spätestens beim Hochlade-Prozess aussortieren. Das hat in unseren Tests zu Doppelbildern im Luftbild geführt (Ghosting).
  • Bei sehr grossen oder langen Gebäuden: mehrere überlappende Nadir-Aufnahmen aus 20-30 m machen, statt höher zu fliegen.
  • Kamera-Winkel: Gimbal auf -90° gerade nach unten.

Anzahl Bilder

Skaliert mit der Gebäudegrösse. Diese Ranges decken unsere Test-Beispiele zuverlässig ab:

  • Einfamilienhaus30-50 Bilder
  • Mehrfamilienhaus50-80 Bilder
  • Lagerhalle / grosses Flachdach80+ Bilder (typisch 60-100 bei Tempomat-Flügen)

Wetter und Tageszeit

Pragmatisch. Roofy funktioniert in den meisten Wetterlagen, manche sind aber deutlich besser.

  • Optimal

    Bewölkter Tag. Diffuses Licht, keine harten Schatten oder Reflexionen

  • OK

    Sonniger Tag am Vormittag oder Spätnachmittag. Weiche Schatten

  • Schwierig

    Mittagssonne. Harte Schlagschatten können die Resultate beeinträchtigen

  • Wind

    Unter 8 m/s für stabile Aufnahmen

  • No-Go

    Regen, Schnee, Nebel

Was beachten

Diese Bedingungen können die Resultate beeinträchtigen, in unseren Test-Beispielen hat es jedoch meistens trotzdem funktioniert. Beachten Sie die Warnungen im Tool und prüfen Sie mit der Höhenkarte (Shortcut H), ob die gesamte Dachfläche korrekte Höhendaten hat.

Eine Warnung heisst nicht zwingend Fehler. Sie ist ein Indikator, der mit der Höhenkarte zu verifizieren ist.

Mögliche Stör-Faktoren

  • Gerüst um das Gebäude
  • Vegetation direkt am Dach (Bäume die ans Dach reichen)
  • Spiegelnde Oberflächen (Solar-Module, Glas-Fenster)
  • Harte Mittagsschatten

Konkrete Pitfalls aus der Praxis

  • Höhenwechsel bei Nadir-Bildern vermeiden

    Nadir-Bilder NICHT aus verschiedenen Höhen aufnehmen. Das führt zu Doppelbildern im Luftbild. Höhe einmal festlegen und beibehalten.

  • Nah am Dach bleiben

    Je näher am Dach, desto besser. Nicht viel Umschwung sichtbar. Der Rest des Bildes ist für die Rekonstruktion irrelevant.

Beispiel-Flugplan

GebäudeOrbit (~20-30m Höhe)Kamera 45°nach untenNadir(von oben)Flugrichtungim UhrzeigersinnSeitenansicht45°20-30m

Orbit-Flug mit acht Kamera-Positionen und Nadir-Bildern aus konstanter Höhe. Das in der POI-Methode beschriebene Muster als Diagramm.

Rechtliches

Drohnenflug in der Schweiz unterliegt BAZL-Bestimmungen (Registrierung ab 250 g, Versicherung, Flugverbotszonen). Details im FAQ.

Für ein 3D-Modell mit Fassaden (Pro) brauchen Sie zusätzliche Orbit-Aufnahmen rund ums Gebäude. Wie das geht, zeigt die Anleitung 3D-Aufnahmen: Fassaden.

Nächster Schritt

Weiter zu den 3D-Aufnahmen

Für ein 3D-Modell mit Fassaden zusätzliche Orbit-Bilder aufnehmen — oder direkt zum Hochladen springen.

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